Reparatur der Bremse

Hier erst einmal ein paar Bilder, wie die Bremse vor der Reparatur aussah, damit man einen Eindruck von dem Zustand bekommt.

Was die Bremsleistung angeht, könnte man behaupten, dass die Bremse eine Bremsleistung eines Rollers hatte, aber das ganze dann bei ca. 1,5 TONNEN 🙁 Also definitiver Handlungsbedarf!

Es ist wohl kaum zu übersehen, dass die Bremse komplett hin ist und einfach nur noch Repariert werden muss. Da hilft der Wechsel von Bremsbelägen alleine nicht mehr viel.

Bei meinem ersten Versuch die Vorderbremse zu Reparieren, stellte sich „leider“ heraus, dass die Bolzen, mit denen die Bremssättel befestigt sind, eigentlich nur noch Schrott sind.

Wenn Reparaturen mal auf Anhieb klappen würden, wäre es ja einfach 😀

Also habe ich an dem Tag entschlossen, nicht groß zu versuchen diese auszubauen und zu retten, sondern habe die Reifen wieder montiert und bin in der darauf folgenden Woche zum Teilehändler gefahren und habe mir erst einmal Reparatursätze besorgt.

Ein kleines Sortiment an Material 😀

  • Bremsscheiben
  • Beläge
  • Dichtungssätze (graue Kartons)
  • Führungsbolzen (Tüten)
  • DOT 4 Bremsflüssigkeit
  • Kupferpaste
  • Plastilube (war nicht nötig, da in den Reparatursätzen genug Gummifett mitgeliefert war)

Durch die zusätzlichen Reparatursätze hat das Material nach Abzug der Rabatte, die ich freundlicher Weise bekommen habe, ca. 170€. Wobei ich die Auswahl hatte, neue Bremssättel für ca. 70€ pro Stück zu nehmen, oder einen Reparatur-Dichtungssatz für je ~20€. Ein Versuchs ist es Wert und habe die Dichtungssätze genommen 🙂

Wo nun alles da ist… LOS GEHTS 🙂

Erst mal aufbocken, Räder ab und auf Böcken absetzen und die hinteren Reifen mit Keilen sichern! Sicherheit geht vor! Vor allem, wenn, wie hier, die Fläche abschüssig ist.

Nachdem der erste Reifen ab war, habe ich schon mal begonnen, die Bremse zu leeren. Da die Bremse ja eh vor der Demontage leer sein musste, habe ich so ein bisschen Zeit sparen können.

Das Elend geht weiter. Selbst die Radnabe ist komplett verrostet und wer genau drauf achtet, wird sehen, dass die Staubschutzmanschette vom Bremszylinder am Bremskolben auch nicht mehr wirklich gut aussieht und vor allem schief ist.

Also Bohrmaschine raus geholt und einen Schleifer mit 80er Schleifpapier angeschlossen und fleißig geschliffen, bis es blitze blank war. Sieht doch schon viel besser aus oder?

Wer nun motzt: „wäääh der schleift den Rost runter, obwohl der Bremssattel noch dran ist…“. JA das war gewollt. Der Bremssattel kommt eh noch komplett dran und so war weiterhin die Bremsleitung vor dem Staub geschützt. 🙂

Als nächstes war noch der Bremssattelhalter dran. Da er bald wieder voll Bremsstaub ist, habe ich jetzt nicht den großen Aufwand betrieben, ihn komplett blank zu schleifen.

Die Radnabe habe ich nach einer Reinigung dann noch mit Balistol gegen erneutes Rosten etwas eingeölt.

Hier noch eine kleine Gegenüberstellung zwischen den alten Bolzen und den neuen. 3 von 4 Bolzen gingen einigermaßen gut raus. Beim 4. hatte ich massive Probleme. Hab das Gewinde über eine Stunde mit WD40 einwirken lassen, den 6er Imbus mit einem Hammer in den Schraubenkopf getrieben, um möglichst bis zum Ende drin zu sein und das Gewinde etwas zu lösen. Trotz alldem hat der Imbus sich echt extrem verbogen. Bevor sich da irgendetwas getan hat, hatte das Ende des 20cm Imbusschlüssels bereits eine Biegung von ca. 6cm am anderen Ende. Ich war heil froh, dass der Imbusansatz in der Schraube nicht nachgegeben hat. Sonst hätte ich echt Probleme bekommen. So hat nur der Imbusschlüssel eine minimale Biegung 😀 Aber ich muss schon sagen, dafür dass es sich dabei um einen Imbusschlüssel von LUX Tools handelt, ist dieser echt stabil. Bisher habe ich von LUX Tools Profi **** keine Verluste zu beklagen und das trotz diverser Extrembelastungen.

So sah der Bremssattel nach der Demontage aus. Hier ist gut zu erkennen, dass die Manschette bessere Zeiten erlebt hat und definitiv ihr Rentenalter erreicht hat 😀

Das Bild ist nicht ganz scharf, aber auch ich habe nur 2 Hände, aber es reicht um zu sehen, wie ich den Bremskolben aus dem Sattel rausgezogen habe.

Was man auf einem Bild natürlich nicht sieht ist, dass ich es vorher mit einer Rohrzange versucht habe und kläglich gescheitert bin und mir 2x die Finger in der Zange gequetscht habt 😀 Selbst mit den Schraubendrehern ging es nicht auf anhieb. Habe erst einen sehr alten genommen, aber dieser war vorne einfach zu rund und rutschte permanent ab. Mit den 2 alten, die vorne noch flach waren und viel drücken ging es recht schnell.

Der Kolben ist bereits raus, aber hängt noch in der Staubschutzmanschette. Bereits hier erkennt man, dass der Bremssattel von innen nicht mehr so wirklich gut aussieht.

Nun kann man das Ausmaß der Verschmutzung sehen. Ist schon erschreckend zu sehen, was dort an Ablagerungen sind. Da ich kein Fachmann bin, habe ich keine Ahnung, ob das letztlich Bremsstaub ist, der durch die Bremsbewegungen ins Innere gewandert ist, oder woher er auch immer kommt. Wenn es einer weiß, kann er mir gerne dazu einen Kommentar da lassen.

Nach einer gründlichen Reinigung und teilweise Rost abschleifen, sehen die Teile doch schon direkt wieder ganz anders aus.

Im Inneren sieht man eine leichte Schleifspur. Die ist entstanden, da der Bremssattel fest hing und schief auf die Bremse drückte, was wiederum den Kolben schief gedrückt hat. Die Stelle ist aber plan und daher kein Problem, da zum Glück das Metall selber keinen Abrieb hatte.

Das Ergebnis nach der Montage der neuen Dichtungen und Führungshülsen. Das der Kolben von Innen rostig ist, ist nicht weiter problematisch, da dieser Raum eh keine Funktion erfüllt. Die Auflagefläche für den Bremsbelag habe ich einigermaßen plan geschliffen und bei der Montage mit Kupferpaste gegen Rost gefettet.

Auch die Führungen der Bremsbeläge habe ich schön mit Kupferpaste eingeschmiert, damit da sich bloß nicht wieder irgendetwas erklemmt.

Noch sieht das alles so schön aus 🙂 Wenn das doch mal so bleiben würde 😀 Der graue Schutzlack auf der Scheibe ist spätestens nach 5x bremsen weg.

So sieht nun die fertige Bremse aus. Wie man sieht, ist selbst die Entlüftungsschraube neu 🙂

Die Bolzen habe ich mit meinem kleinen Drehmomentschlüssel mit 25Nm nach VW Vorgaben angezogen! Wie gut, dass ich einen Drehmomentschlüssel von 2-25Nm für 1/4″ Ansätze habe. 🙂

Im Anschluss an die rechts Seite folgte die linke Seite nach dem gleichen Vorgehen. Wobei die linke Seite mehr Probleme verursachte. Zum einen war dort der 4. Bolzen, der kaum los ging, zum anderen wollte die alte Entlüftungsschraube nicht los gehen. Auf einer Seite habe ich beim 1. Versuch schon den Sechskant übergedreht. Beim 2. Versuch mit jede Menge WD40 😀 hatte ich Angst, dass der Schraubenschlüssel über bricht, da er sich schon auseinander bog, aber er war tapfer und die Schraube hatte den Machtkampf verloren 🙂

Zum Schluß kam dann noch das langwierige Spülen und Entlüften der Bremse. Die ersten paar Minuten kam in der Hinterradbremse fast schon braune zähflüssige Masse raus. Dadurch, dass vorne die Bremse leer war, war die in 2 Minuten in Ordnung. Die hinteren Bremsen ist dagegen ein echtes Problem. Obwohl wir (besten Dank an meinen armen Vater, der die Bremse getreten hat) eine Stunde gespült haben, kamen immer wieder kleine Bläschen. Irgendwann war aber dann doch Ruhe.

Die Fahrt zu mir, mit Einbremsen und viel Abstand (wegen Schutzlack, Trennmittel und minimalem Fett durch die Montage), hatte zum Schluß ergeben, dass irgendwo sich doch noch Luft versteckt hat. Somit muss ich demnächst doch nochmal eine Runde spülen. Da es aber nur Minimal ist, muss das nicht so eilig sein, wie der Rückbau der Rollerbremse 😀

Ein Kommentar

  1. Scheint alles machbar zu sein. Spülen und Entlüften ist aber ziemlich zeitaufwendig. Vielen Dank für die ausführliche Anleitung!

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